Wie eine junge Frau beim DRK eine berufliche Zukunft und Heimat gefunden hat - Kreisverband Brilon e.V. & Tochtergesellschaften
· Pflege

Wie eine junge Frau beim DRK eine berufliche Zukunft und Heimat gefunden hat

Fatemeh Hosseini ist 27 Jahre alt, hat einen offenen, auffordernden Blick und wirkt resolut und willensstark.  
Das diese junge Frau mehr erlebt hat als die meisten jungen Menschen mit Anfang 20 ist allerdings nicht zu erahnen. Dabei hat sie eine monatelange Reise hinter sich, die niemand in seinem Leben leichtfertig antritt.

Denn Fatemeh ist ein Flüchtling und sie war noch nie etwas anderes in ihrem Leben. Ihre Eltern flüchteten aus Afghanistan in den Iran, als die Taliban an die Macht kamen. Im Iran kam Fatemeh zur Welt, ging zur Schule, machte ihren Abschluss und bekam eine Tochter. Doch ihren Traumberuf zu erlernen und Krankenschwester zu werden, wurde ihr im Iran verwehrt, da sie dort ein Flüchtling ist. Und eine Perspektive gab es für sie und ihre damals 3-jährige Tochter nicht.  

Doch Fatemeh ist eine Frau, die Dinge anpackt und etwas tun will. Sie möchte selbstbestimmt leben, in der Pflege arbeiten und ihrer Tochter Mahtisa ein eigenständiges Leben ermöglichen.  
Und deshalb fasst sie im Herbst 2018 den Entschluss, nach Deutschland zu fliehen. Ihre Eltern und Familie sind nicht begeistert, doch unterstützten sie Fatemeh und ihre Tochter Mahtisa bei ihrem Vorhaben. Denn sie wissen, sie können ihre Tochter nicht aufhalten.  

Insgesamt sechs Monate dauert die schwierige und gefährliche Reise für die Mutter mit ihrem Kleinkind. Die erste Station nach einer mehrwöchigen Reise ist ein zweimonatiger Aufenthalt in einem Lager in der Türkei, danach kommen Mutter und Tochter nach Griechenland. Von da geht die Reise weiter nach Göttingen und die beiden sind im Mai 2019 endlich in Deutschland. Doch die Reise endet noch nicht. Sie werden in verschiedene Auffanglager in ganz Deutschland gebracht, bis sie schließlich in Winterberg landen. Und auch hier haben sie noch mehrere Zwischenstationen, bis Fatemeh endlich in Siedlinghausen eine Wohnung für sich und Mahtisa findet.  

Über die Ankunft in Deutschland berichtet Fatemeh vor allem ernüchternde Dinge. “Als ich hier ankam mit meiner kleinen Tochter hat mir niemand geholfen. Ich bekam alle möglichen Formulare und Anträge auf den Ämtern und musste sie allein ausfüllen. Und auch um meine beruflichen Möglichkeiten musste ich mich alleinkümmern. Das war sehr anstrengend und schwierig.”  

Fatemeh ist zwar jung, doch weiß sie, was sie will und kämpft sich durch. Und das mit großem Erfolg. Sie bekommt über die Stadt Winterberg eine Wohnung in Siedlinghausen und besucht 2020 mit der Unterstützung der Stadt Sprachkurse. Schnell verfügt sie über das B1 und B2 Zertifikat. Außerdem macht sie ihren Führerschein und geht ans Berufskolleg in Olsberg, um erst ihren Hauptschulabschluss und dann die Mittlere Reife zu machen.  

Doch wie fand Fatemeh schließlich den Weg zum DRK Brilon?  
Für den Hauptschulabschluss muss Fatemeh auch ein sechswöchiges Praktikum machen, was sie im DRK Josef-und-Herta-Menke-Haus absolviert. Während dieses Praktikums merken ihre Kolleginnen und Kollegen schnell, dass Fatemeh eine große Bereicherung für das Seniorenzentrum ist. Ihr offener, pragmatischer Charakter, ihre große Lernbereitschaft und ihre gute Arbeit führen dazu, dass die Kolleginnen und Kollegen in Silbach sie direkt bei sich behalten möchten. Vor allem in der Pflege wird gutes, zuverlässig Personal immer gesucht. Schnell ist klar, man möchte Fatemeh die Möglichkeit geben, sich beim DRK Brilon eine berufliche Zukunft aufzubauen. 

Und auch Fatemeh möchte gern in Silbach beim DRK bleiben. Und so entstand der Wunsch, eine Ausbildung zur Pflegefachkraft zu machen.  
Da sie dafür einen Realschulabschluss benötigt, macht sie zunächst die Ausbildung zur  Sozialassistentin am Berufskolleg in Olsberg, mit deren Abschluss sie auch die Mittlere Reife erhält. Den praktischen Teil dieser Ausbildung absolviert sie im DRK Josef-und-Herta-Menke-Haus in Silbach und arbeitet dort drei Tage in der Woche.  
Im Mai schließt sie die Ausbildung zur Sozialassistentin ab. Danach wird sie bis Oktober als Pflegehelferin im DRK Seniorenzentrum in Silbach arbeiten, bevor sie dann die Ausbildung zur Pflegefachkraft startet.  

“Ich freue mich sehr, dass ich die Ausbildung antreten kann, auch wenn es eine Herausforderung ist, alles allein mit meiner Tochter managen zu müssen. Aber wir werden das schaffen, so wie wir bisher alles geschafft haben”, ist Fatemeh zuversichtlich.  

Ihr großes Ziel ist es, ihre Ausbildung abzuschließen und als Pflegefachkraft zu arbeiten. “Ich möchte die Menschen hier unterstützen und ihnen helfen”, sagt sie. Deutschland hat ihr ein neues Zuhause geboten und ihr die Möglichkeiten gegeben, die sie im Iran bei ihrer Familien nicht hatte. “Ich möchte einfach etwas zurückgeben und dabei das tun, was ich gern tue.”  

Wir vom DRK Brilon wünschen Fatemeh dabei alles erdenklich Gute, viel Erfolg und hoffen, dass sie uns noch lange als Kollegin erhalten bleibt.